Offener Brief
an:
den Bundesvorstand DIE LINKE, den Landesverband DIE LINKE in Bayern, den Kreisverband DIE LINKE in Coburg, sowie Dieter Dehm MdB (DIE LINKE)
Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Mitleser,
zuerst einmal gute Wünsche zur kommenden Bundestagswahl. Linke Politik, verstanden als sich den Menschenrechten verpflichtet zu fühlen, ist, unabhängig von spezieller Weltsicht, ein Zeichen für politisches Wachstum in diesem Land. Ich bin kein Parteimitglied, als politischer Buddhist verstehe ich mich überparteilich ohne Parteizugehörigkeit, aber im Bewusstsein eben der gleichen Werte, welche Ihr vertretet. In dieser Verantwortung ist der vorliegende Offene Brief an Euch zu verstehen. Ich möchte Euch in diesem Brief über Vorgänge informieren, welche Euch, Eure Arbeit und Euer Wahlergebnis beeinflussen werden. Deshalb bitte ich Euch vor einer weiteren Veröffentlichung um Kenntnisnahme und eine Euren Parteistatuten angemessenen Beurteilung der hier möglichst urteilsfrei geschilderten Vorgänge im Zusammenhang mit Eurem Direkt- und Listenkandidaten für den Deutschen Bundestag 2009, Uwe Hiksch.
Ich erkläre hiermit an Eides statt, dass ich alle Schilderungen beweisen kann und diese nach bestem Wissen und Gewissen darlege.
Nachfolgend geht es um vier Arbeitsverträge zwischen der Bundesgruppe Naturfreunde Deutschlands e.V. und vier ArbeitnehmerInnen, hiervon drei Hartz-IV-BezieherInnen, welche Uwe Hiksch, seines Zeichens Bundeskassierer und Vorstandsmitglied des o.g. Vereins, aushandelte und unterzeichnete. Wie sich im Nachhinein herausstellte, um diese allem Anschein nach als Druckmittel zu verwenden, den Pächter eines Berggasthauses im Allgäu zur vorzeitigen Übergabe des Hauses an den Eigentümer, die Naturfreunde Deutschlands zu bewegen. Diese – recht feindliche – Übernahme funktionierte nicht und die Arbeitsverträge wurden für ungültig erklärt, sowohl mit dem Verweis, dass sie nie existiert hätten, als auch mit dem, der vorherigen Darstellung widersprechenden Verweis, dass Uwe Hiksch diese nicht alleine hätte unterzeichnen dürfen, obwohl er im Auftrag der Naturfreunde handelte. In der Klageerwiderung sagte man, dass die Verträge nie existiert hätten, sollten sie dennoch existieren, seien sie aber auf keinen Fall gültig und falls doch, würden sie vorsorglich fristlos gekündigt. Aus wichtigem Grund versteht sich.
So kurz wie möglich zur Geschichte: eine Freundin von mir und meiner Partnerin, sie ist eine Kollegin von Uwe Hiksch im Bundestag, brachte uns Mitte November 2008 im Auftrag von Uwe Hiksch als Verhandlungspartner zusammen. Uwe Hiksch hatte ihr gegenüber gesagt, er suche dringend zwei Verrückte, die ganz kurzfristig das Naturfreundehaus Kanzelwandhaus (120 Betten) bei Oberstdorf im Allgäu (1600m üNN) übernähmen, da man gravierende Probleme mit der dortigen Hausleitung habe. In einem ersten Treffen mit Uwe Hiksch erklärte er uns, er, als Vorstandsmitglied des Naturfreunde Deutschlands e.V., suche dringend ein Notteam für besagtes Haus, um es vor dem Ruin und der Veruntreuung durch den bisherigen Pächter zu retten. Alles müsse sehr schnell gehen, da die finanziell sehr wichtige Wintersaison schon Mitte Dezember beginnen würde. Wir gefielen ihm wohl, aber wir müssten uns auch noch dem Bundesgeschäftsführer vorstellen, da dieser über unseren Einsatz mit entscheiden müsste.
So vereinbarten wir ein weiteres Treffen mit dem Bundesgeschäftsführer und Uwe Hiksch, in dem wir uns alle grundsätzlich auf eine Zusammenarbeit einigten, etwas unangenehm begleitet von der Aussage Uwe Hikschs, dass der Bundesgeschäftsführer eigentlich keine Buddhisten beschäftigen wolle. Es folgten weitere Treffen mit diesen beiden Vorstandsmitgliedern der Naturfreunde, bei denen im wesentlichen die Eckpunkte der Hausübernahme konkretisiert wurden. Am 01.12.2008 wurde gemeinsam entschieden, die Übernahme und Rettung durch ein gastronomisches Team von vier Berlinern, zwei anderen Freunden von uns, in Angriff zu nehmen, zunächst mittels Saisonarbeitsverträgen für uns vier, nach erfolgreicher Wintersaison aber mit der ausdrücklichen Möglichkeit, das Kanzelwandhaus zu pachten. Der Vorstand war auch einverstanden und wir vereinbarten, dass die Hausübergabe an uns am 13. und 14. Dezember im Beisein von Uwe Hiksch und dem Bundesgeschäftsführer der Naturfreunde erfolgen sollte. Arbeitsbeginn wäre der 15.12.2008 und die Verträge würden selbstverständlich vorher fertiggestellt und unterzeichnet werden. Dann nahm die Geschichte, wie Uwe Hiksch sagen würde, ihren sozialistischen Gang.
Alles musste schnell gehen, da traf es sich natürlich gut, dass wir, bis auf eine Person, Hartz-IV-BezieherInnen waren (und sind), die schon aus diesem Grund flexibel zu sein haben und es sich nicht leisten können, Arbeitsangebote auszuschlagen oder auch nur daran mitzuwirken, dass ein Arbeitsvertrag nicht zustande kommt (beides kann mit bis zu 100% Leistungsentzug geahndet werden). Wir bereiteten uns also auf eine mindestens 4,5 monatige, wenn nicht gar endgültige Abwesenheit von Berlin vor, kündigten Minibeschäftigungsverhältnisse, Gott sei Dank nicht unsere Wohnungen, leiteten Zeitungsabonnements ins Allgäu um, packten diverse Pakete, welche wir nach Oberstdorf schickten, gestalteten Werbung, ließen diese mit Wissen des Uwe Hiksch vorläufig auf eigene Kosten drucken, erstellten sogar eine Webseite, schlugen uns Nächte mit Planungen um die Ohren und warteten auf die Verträge. Wir warteten, immer mit der Versicherung seitens des Uwe Hiksch, dass wir uns keine Sorgen machen sollten, „es ginge alles seinen sozialistischen Gang„, die Naturfreunde hätten lediglich vereinsintern noch ein paar Hürden zu nehmen, unter anderem dem momentanen Pächter zu kündigen. Auf uns müssten sie sich jedoch voll und ganz verlassen können.
Am 11.12.2008 um 17.00 Uhr war es dann – nach vielem Hin und Her und ersten Zweifeln am sozialistischen Gang – endlich soweit. Jeder sagte uns, wenn wir unsere Zweifel hatten: „Mensch, das sind die Naturfreunde und die Linken, die betrügen euch nicht! Da könnt ihr euch ganz darauf verlassen!„. Aber nun ging alles seinen sozialistischen Gang. Die Verträge lagen laut Uwe Hiksch zur Zeichnung in den Geschäftsräumen der Naturfreunde Deutschlands e.V. bereit. Zur Erinnerung, meine Partnerin und ich sollten zwei Tage später das Haus im Allgäu übernehmen. Die beiden anderen Mitarbeiter mussten vier Tage später anreisen. Uns auf den sozialistischen Gang des Uwe Hiksch verlassend, kauften wir natürlich vorher benötigte Winterausrüstungen für minus 20°C und einfache, daher teure Zugfahrkarten. Auf die Anfrage, ob unser neuer Arbeitgeber die Fahrtkosten übernähme, antwortete Uwe Hiksch (ganz sozialistisch?), „wir sollten uns lieber die Knete vom Staat (JobCenter) holen, als die Mitglieder der Naturfreunde damit zu belasten.“ Wir haben uns, um diese Ausgaben leisten zu können, für unsere Verhältnisse sehr viel Geld in der Aussicht geliehen, dieses von unserem ersten Gehalt zurückzahlen zu können. Wir waren startklar. An diesem Abend trafen wir in den Geschäftsräumen der Bundesgruppe Naturfreunde e. V. den Bundesgeschäftsführer und eine Angestellte aus der Lohnbuchhaltung an. Der Bundesgeschäftsführer legte uns jeweils die Verträge in zweifacher Ausführung vor, die Lohnbuchhalterin sammelte unsere Lohnunterlagen ein und wir verabredeten den Termin der ersten Lohnzahlung. Wir unterschrieben unsere Verträge und baten um die Gegenzeichnung. Da jedoch eröffnete uns der Bundesgeschäftsführer plötzlich, dass er gar nicht zeichnungsberechtigt sei. Hoppla! Ein Bundesgeschäftsführer, der entscheidungsbefugt aber nicht zeichnungsberechtigt ist? Da wir unter diesen Umständen nicht bereit sein konnten, ohne unterschriebene Verträge zur neuen Arbeitsstelle zu reisen, rief der Bundesgeschäftsführer auf unser Verlangen Uwe Hiksch an, welcher laut Bundesgeschäftsführer zeichnungsberechtigt sei.
Uwe Hiksch kam ca. eine halbe Stunde später, weshalb wir vier Arbeitnehmer in einer Kneipe an der Ecke warteten und einen Kaffee tranken, und unterzeichnete in unserer Abwesenheit die Verträge. Telefonisch teilte mir Uwe Hiksch mit, die Verträge seien soeben unterschrieben, er könne jedoch nicht bleiben, wir sähen uns ja am 13.12.2008 im Kanzelwandhaus. Zurück in der Bundesgeschäftsstelle nahmen wir erleichtert die nunmehr gestempelten und unterschriebenen Arbeitsverträge entgegen und verabschiedeten uns vom Bundesgeschäftsführer mit einem Handschlag auf gute Zusammenarbeit und bis zum 13.12.2008 im Allgäu. Alles ging also für uns seinen sozialistischen Gang. Uwe Hiksch hatte uns um den Einsatz gebeten, mit uns im Auftrag der Naturfreunde verhandelt, der Bundesgeschäftsführer war mit allem einverstanden und schließlich wurden folgerichtig die Verträge von Uwe Hiksch unterzeichnet. Es konnte also losgehen mit der Rettung des Hauses.
Wir waren natürlich auf ein schlecht bewirtschaftetes Haus und einen als Vollalkoholiker erklärten Hausleiter vorbereitet und darauf, dass die Übernahme nicht unbedingt freundlich verlaufen würde. Wir waren am 13. Dezember ca. 13 Stunden in das Allgäu unterwegs. Während der Fahrt rief der Bundesgeschäftsführer an und teilte uns ganz aufgelöst mit, dass der Hausleiter „in den Sack hauen wolle“ und wann wir denn da wären. Im Falle des Entfernens des Hausleiters sollten wir mit all unserem Gepäck doch bitte zu Fuß auf 1600 Meter steigen, weil er oder Uwe Hiksch die Seilbahn nicht betätigen könne. Auf unsere telefonische Intervention versprach der Hausleiter zumindest bis zu unserer Ankunft zu bleiben und ließ uns ca. 16:30 mit der zu diesem Zeitpunkt eigentlich nicht benutzbaren Lastenseilbahn des Kanzelwandhauses auf 1600 m hochziehen. Uwe Hiksch und der Bundesgeschäftsführer begrüßten uns merkwürdigerweise etwas distanziert mit dem Gruß der Naturfreunde „Berg frei“. Der Hausleiter und sein Personal waren natürlich auch sehr reserviert – es ging schließlich um ihre Jobs. Das Erste, was uns auffiel, war die Tatsache, dass wir es, entgegen der Behauptung des Uwe Hiksch, nicht mit einem heruntergewirtschafteten Unternehmen und untauglichen Mitarbeitern zu tun hatten, sondern mit einer gut funktionierenden Gastronomie in einem zugegebenermaßen ziemlich rotten Haus. Bei der unverzüglichen Hausbesichtigung in Anwesenheit der Bundesnaturfreunde und des abzulösenden Hausleiters, erzählte uns dieser, dass die Naturfreunde als Eigentümer seit Jahren nicht in das Haus investierten, der Pächter sich so gezwungen gesehen hätte, die Pacht zu mindern und schließlich auszusetzen, da er das Geld gebraucht habe, um das Haus zumindest in den wichtigsten Teilen bewirtschaftbar zu halten. Der Zustand des Hauses gab ihm recht. Außerdem würde er sich nicht mal eben nach 10 Jahren absetzen lassen. Ob wir wüssten, dass nur er die Berechtigung habe, die Lastenseilbahn, die unbedingt notwendig zur Versorgung des Hauses und der Gäste sei, zu bedienen? Ob wir weiterhin wüssten, dass die Zivildienstleistenden, die zur Absicherung des Betriebes notwendig seien, ebenfalls nur durch ihn und den Pächterverein Kanzelwandhaus e.V. beschäftigt sein könnten, und dass er diese, sollte er gehen müssen, selbstverständlich mitnähme? Die Bundesnaturfreunde wüssten dies und andere, uns gegenüber als nicht bekannt deklarierte, also verschwiegene Zustände seit Jahren. Außerdem hätte er vorhin erst erfahren, dass er das Haus abgeben solle. Uwe Hiksch erklärte uns schon einige Zeit vorher, dass der Hausleiter dieses bereits wüsste. Dieser wusste jedoch bis dahin nur von unserer Ankunft als Mitarbeiter, aber nichts von einer Übernahme des Hauses durch uns.
Tja, das sah schon gar nicht mehr so aus, wie von Uwe Hiksch geschildert. Wieder mit den Bundesnaturfreunden allein, wollte sich keine entspannte Atmosphäre mehr einstellen, denn plötzlich begann Uwe Hiksch zu erklären, wir könnten nicht wie vereinbart ein festes, abschließbares Zimmer beziehen, sondern müssten häufig je nach Belegung durch Gäste umziehen, auch in Massenquartiere, da die kleineren Zimmer meistens gebucht seien. Da meine Freundin die Obhut über die Finanzen und die Buchhaltung haben sollte, stellte sich natürlich die Frage, wie sicher sich das angesichts der Lage gestalten lassen könne. Immer mit dem ganzen Wochenumsatz und der Büroarbeit von Zimmer zu Zimmer?
Ach ja, dann teilte uns Uwe Hiksch auch noch mit, wir müssten natürlich auch für Kost zahlen, ebenfalls entgegen unserer Absprache in Berlin. Ein bisschen konsterniert sagte ich daraufhin, dass das einer Lohnkürzung gleichkäme und ich mir in diesem Falle vorbehalten würde, alle erforderlichen Überstunden in Rechnung zu stellen. Darauf Uwe Hiksch ganz keck: „Zeiten, in denen keine Gäste da sind, werden natürlich nicht bezahlt. Nächste Woche z.B. ist kein Gast anwesend, da habt ihr frei.„, also unbezahlt frei, obwohl für diese Woche u.a. die Inventur und Personalbelegung geplant war. Wir sollten demnach die erste Woche, in der das Haus neu organisiert werden musste, nicht umsonst, aber doch ohne Lohn arbeiten. Ich solle mich doch endlich einmal an die Bezahlung und die Gepflogenheiten der bayerischen Gastronomie gewöhnen, sagte Uwe Hiksch. Vergeblich wies ich ihn darauf hin, dass wir nicht als billige Saisonkräfte angetreten waren, sondern als Notwender und schnelle Eingreiftruppe zur Rettung des Hauses und des Umsatzes von gewünschten 350.000 Euro inklusive eines für jeden Steuerprüfer obszön anmutenden Gewinns für die Naturfreunde. Uwe Hiksch und der Bundesgeschäftsführer jedoch wollten, anstatt sich damit zu beschäftigen, nun erst mal etwas Deftiges essen, während wir fragten, was das Ganze eigentlich soll und wieso wir plötzlich über ganz andere Dinge redeten als in Berlin. Uwe Hiksch sagte zu meiner Freundin, er würde nicht so mit sich reden lassen und ich solle aufpassen. Der Bundesgeschäftsführer äußerte nun die Ansicht, wir wären wohl mit der Aufgabe, das Haus zu übernehmen, ziemlich überfordert.
Unsere Anwesenheit im Kanzelwandhaus dauerte bis dahin vielleicht 100 Minuten. In dieser Zeit mutierten wir offensichtlich von händeringend gesuchten und als sehr willkommen deklarierten Rettern eines heruntergewirtschafteten Gasthauses in bester Geschäftslage, zu arbeitsunwilligen, aber anspruchsvollen Hartz-IV-Empfängern, welche die Grundlagen der bayerischen Gastronomie nicht verstehen wollen. Was hatte diesen Wandel im Geiste des Uwe Hiksch ausgelöst? Wir glaubten immer noch an eine Verkettung von Missverständnissen. Dann erfuhren wir vom Hausleiter, dass er den beiden Bundesnaturfreunden einfach und im bildlichen Sinne die Pistole auf die Brust gesetzt hatte und sich im Namen des Pächters gegen die feindliche Übernahme des Hauses wehrte. Völlig zu Recht, denn entgegen der Aussagen des Uwe Hiksch uns gegenüber, war der Pachtvertrag gar nicht gekündigt und damit hatten die Bundesnaturfreunde kein Recht, den alten Pächter und damit auch den Hausleiter abzuservieren. Die feindliche Übernahme scheiterte grandios.
Langsam wurde mir ein bisschen übel und ich versuchte den offensichtlichen Konflikt der Bundesnaturfreunde zwischen der Nichterpressbarkeit des Hausleiters und unserer vertraglichen Bindung zu lösen, indem ich anbot, gegen eine Erstattung meiner Auslagen und einer angemessenen Bezahlung meiner bisher geleisteten Arbeit, am nächsten Tag abzureisen. Damit wäre das Problem meinerseits gelöst. Dem entgegnete Uwe Hiksch mit seinem ihm eigenen eigenartigen Lächeln: „Mir sind keine Ausgaben und Leistungen deinerseits für die Naturfreunde bekannt.“ Das war ein Schlag mitten ins Gesicht! Ich wies ihn nochmals auf unsere Vorarbeit und unsere Absprachen hin, aber es war zwecklos. Wir vertagten angesichts der Stimmung das Gespräch und die noch anstehende Hausübergabe auf den nächsten frühen Morgen. Dachten wir. Am nächsten Morgen jedoch teilte uns der Hausleiter mit, er wäre nun wieder in seine Stellung eingesetzt und würde das Haus weiter leiten – ohne uns, denn er habe ja sein Personal vor Ort. Wir stellten daraufhin Uwe Hiksch zur Rede, der uns lapidar mitteilte, „Ihr seid raus„. Unser Hinweis auf unsere vertragliche Bindung entlockte ihm ein lächelndes „dann sehen wir uns wohl vor dem Arbeitsgericht„.
Unser weiterer Hinweis darauf, dass auch die anderen beiden Arbeitnehmer einen Tag später anreisen sollten, wischte er mit der Bemerkung vom Tisch, „die können sich gern beim Hausleiter zu den in Bayern üblichen Konditionen bewerben„. Alle Appelle unsererseits unter Berufung auf unsere Vereinbarungen und seine von ihm als links bezeichnete Berufsehre schlugen fehl.
Mit seinem typischen Lächeln im Gesicht verabschiedete sich Uwe Hiksch von uns mit dem Slogan „Tja, so ist das Leben“ und fuhr mit seinem Bundesnaturfreund ins Tal, um das Flugzeug nach Berlin zu nehmen, während wir uns nun komplett umorientieren mussten. So nahm der sozialistische Gang seinen weiteren Lauf.
Wir standen nun auf 1600 Meter Höhe im kalten Schnee und kamen uns ziemlich veralbert vor. Wir hatten uns Geld geliehen, um das Haus zu retten, einen Monat wie wild gearbeitet, um das Unmögliche möglich zu machen, Winterausrüstung und vom letzten geliehenen Geld die Fahrkarten gekauft und einige große Kisten waren auf dem Postweg hierher unterwegs. Was nun? Da stand ich nun, ich armer Tor und war so arm wie nie zuvor. Wir mussten uns abermals Geld leihen, um überhaupt nach Hause zu kommen. Netterweise berechnete uns der Hausleiter keine Übernachtung und Essen. Er verabschiedete uns mit den Worten: „Wir wussten alle, dass die Euch nur benutzen wollten, die machen das seit Jahren mit uns„.
Zu Hause erwartete uns aber dafür eine wirklich nette Überraschung – es ging ja schließlich alles seinen sozialistischen Gang: Zwei Schreiben gleichen Wortlauts – „Vielen Dank für Ihre Bereitschaft zu einem Bewerbungsgespräch in unser Gasthaus im Allgäu zu kommen und auch vielen Dank für Ihre offenen Worte, mit denen Sie eine Arbeit vor Ort ablehnten.“ – lagen in unseren Briefkästen. Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr raus. So einfach entledigte man sich also vierer ArbeitnehmerInnen. Aber Uwe Hiksch sagte uns ja, dass wir uns vor dem Arbeitsgericht sähen. Schlimmer konnte es nicht kommen, dachten wir.
Es kam aber noch schlimmer. Zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Zeilen habe ich in erster Instanz das Gerichtsverfahren meiner Klage vor dem Arbeitsgericht Berlin verloren, da der Richter der Meinung war, ich hätte vor Unterzeichnung des Arbeitsvertrages aus der Satzung der Naturfreunde Deutschlands e.V. herauslesen müssen, dass Uwe Hiksch den Vertrag nicht alleine hätte zeichnen dürfen, weshalb dieser Vertrag nicht gültig sei und die Naturfreunde selbstverständlich nicht für seine Handlungen haften würden, da nicht nachweisbar sei, dass er das schon des Öfteren getan hat. Das hieß für mich nichts anderes, als dass der erste Versuch immer frei ist. Da hat sich Uwe Hiksch aber gefreut! Was für eine Steilvorlage! Sein Lächeln wird mir in Erinnerung bleiben und natürlich rechnete er damit, dass die anderen Richter das nun ebenfalls so sehen müssten.
Ich sah dann aber auch sein verkniffenes bzw. eingefrorenes Lächeln nach der sachlich identischen Verhandlung meiner Freundin vor dem gleichen Arbeitsgericht, jedoch einem anderem Richter. Dieser nahm mit seinen beiden Schöffen den ehrenwerten Uwe Hiksch ins Verhör, bei dem er sich völlig in Lügen und Widersprüche verstrickte. Ja, er log drei Richtern ganz frech ins Gesicht und behauptete, er hätte uns vieren bei der Vertragsunterzeichnung gesagt, dass diese Verträge mit seiner alleinigen Unterschrift nicht rechtsgültig wären, obwohl wir gar nicht anwesend waren. Auf die Frage meiner Freundin, wie denn die anderen Beiden aussehen würden, antwortete er, ganz der viel beschäftigte Politiker: „Ach, ich komme mit so vielen Menschen zusammen, da kann ich mich nicht an jedes Gesicht erinnern„. Der Klage meiner Freundin wurde stattgegeben. Der Koch bekam eine den Vertrag bestätigende Abfindung und das Verfahren seiner Freundin geht im Moment in die Beweisaufnahme.
Mir jedoch wurde seitens meines Richters auch die Prozesskostenhilfe versagt, welche allen anderen dreien gewährt wurde, und daher möchte ich Euch mein momentanes Fazit nicht vorenthalten.
Summa summarum kostet mich meine Bereitschaft, das Gasthaus für die Naturfreunde und das Lieblingshaus des Uwe Hiksch retten zu helfen, bisher folgendes:
- Den Glauben an die Korrektheit zukünftiger Arbeitsverträge, da ich, trotz aller Offensichtlichkeit und entgegen dem Grundsatz von Treu und Glauben, laut bisherigem richterlichem Urteil in allen Einzelheiten prüfen muss, ob der Unterzeichnende dazu berechtigt ist. Jeder diesbezügliche Zweifel meinerseits beeinträchtigt jedoch meine amtlich vorgegebene Mitwirkungspflicht, da diese richterliche Vorgabe von Vornherein kein Vertrauensverhältnis zulässt.
- Den Glauben an die Richtigkeit linker Ideen, wenn in den Reihen der Linken solches Handeln geduldet wird.
- 7.500 Euro nicht verdientes Geld und damit weiterhin Hartz-IV-Abhängigkeit.
- Ca. 5.000 Euro Anwalts- und Prozesskosten inkl. Berufung – also Schulden in dieser Höhe.
- 750 Euro Auslagen zur Absicherung der Arbeitsaufnahme – also ebenfalls Schulden.
Das entspricht einem bisher absehbaren realen Verlust von ca. 13.000 Euro – für den Abschluss eines Arbeitsrechtsverhältnisses. Das wären die teuersten 24 Stunden meines bisherigen 48jährigen Lebens und der Betrag entspricht in etwa der Summe, welche Uwe Hiksch im – hoffentlich nicht stattfindenden – Falle seiner Wahl in den Deutschen Bundestag jeden Monat für mindestens 4 Jahre beanspruchen darf. Ein sehr hoher Preis für die Bereitschaft, mit einem erklärten linken Politiker für ein erklärt linkes Unternehmen, ein erträgliches Geschäft vor dem Ruin zu retten. Diese Bereitschaft bringt mir, sollte die Berufung scheitern, zum Dank den wirtschaftlichen Ruin. Denn für die sich bisher ergebenden 5.750 Euro Schulden brauche ich bei 10%iger Kürzung meines monatlichen Regelsatzes von 351 Euro, ca. 164 Monate oder 13,5 Jahre zur Rückzahlung – alle Zinsen und Zinseszinsen mal nicht beachtet. Dann bin ich 61 Jahre alt und hätte mindestens 14 Jahre an den Folgen der Handlungen des ehrenwerten und linken Politikers Uwe Hiksch zu arbeiten. Ist das der sozialistische Gang des Uwe Hiksch? Vielen Dank dafür: da bekommt der Begriff „linker Politiker“ für mich gleich eine ganz andere Bedeutung.
Ist das linke Politik? Wollt Ihr das unterstützen? Wenn ja, muss ich mich für linke Politik schämen!
Zum Schluss habe ich an diejenigen, welche den Brief bis hierher gelesen haben, eine Bitte:
Bitte überprüft, ob Ihr Jemandem Euer Vertrauen und das Eurer Wähler anvertrauen wollt, der mit solchen sehr fragwürdigen Handlungen das Leben anderer Leute benutzt und zerstört, wahrscheinlich ohne jemals persönlich dafür haften zu müssen. Bitte prüft genau, ob Uwe Hiksch einen Schleudersitz in das deutsche Parlament verdient. Bitte prüft genau, ob Uwe Hiksch derjenige ist, welcher linke Politik für „den kleinen Mann“ glaubwürdig im deutschen Parlament vertreten wird. Bitte sorgt dafür, dass der sozialistische Gang nicht hinkt.
Danke für Eure Geduld und Zeit. Mit der Bitte um eine schriftliche Stellungnahme seitens der Parteiverbände, sowie den besten Wünschen für den September 2009 verbleibe ich mit freundlichen Grüßen und auch der Freude auf eine Gegendarstellung seitens Eures Genossen Uwe Hiksch,
Ingmar Wengel (Berlin)
Links zum Brief:
Google zu Uwe Hiksch
Wikipedia zu Uwe Hiksch
Coburger Neue Presse zum Direktkandidaten für den Bundestag Uwe Hiksch
„Uwe Hiksch will wieder in den Bundestag“
Wikipedia zu den Naturfreunden
Naturfreunde Deutschlands e.V.: Webseite
Naturfreunde Deutschlands e.V.: Leitbild und Selbstverständnis
Naturfreunde Deutschlands e.V.: Vorstand
Naturfreunde Deutschlands e.V. Vorstandsvorsitzender Michael Müller (Mitglied des Deutschen Bundestages)
Naturfreunde Deutschlands e.V.: Satzung (PDF)
WICHTIGER HINWEIS:
Wie ich gerade erfahren habe, wird am Freitag, den 18. Juli, im Landesverband der Linken Bayern mein Offener Brief eines der Themen sein. Ein weiteres Thema wird die Abstimmung über die Landesliste und damit auch über die Direktkandidatur des ehrenwerten Uwe Hiksch sein. Vielleicht haben einige Lust und Zeit sich per Telefon oder Mail beim Landesverband zu melden und zu bitten, die Kandidatur des Uwe Hiksch bis zur Klärung des Falls auszusetzen.
DIE LINKE. Bayern
Schwanthalerstr. 91, 80336 München
Eva Bulling-Schröter, Landessprecherin
Telefon: 089 / 5108 6092
Telefax: 089 / 5108 6093
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